Zeiten ändern sich. Wir bleiben.
Energie ist mehr als Strom aus der Steckdose. Sie ist Licht am Morgen, Wärme am Abend und Bewegung, wenn wir vorankommen wollen.
In Muri beginnt alles vor über 120 Jahren: Grossrat Jean Villiger nutzt den Aspiweiher zur Stromproduktion und versorgt erste Haushalte und Firmen mit Energie. Es ist die Zeit kleiner Werke, mutiger Ideen und eines klaren Ziels: die Schweiz zu elektrisieren. Was damals mit einzelnen Leitungen und ersten Glühbirnen anfängt, ist heute ein hochmodernes und komplexes Energiesystem.
Als die Einwohnergemeinde 1918 das Elektrizitätswerk von Villiger übernimmt, schlägt die Geburtsstunde der Energie Freiamt, die allerdings noch bis 1996 Elektrizitätswerk Muri heisst.
Vieles hat sich in im Laufe seiner Geschichte geändert. Doch eines ist sich gleichgeblieben: unsere Nähe zur Region. Wir sind im Freiamt zu Hause. Das verpflichtet.
Wir kennen die Herausforderungen von heute und gestalten die Lösungen von morgen. Mit erneuerbaren Energien, intelligenten Netzen und einem klaren Ziel: eine sichere und nachhaltige Energieversorgung für alle. Für Haushalte und Unternehmen. Für kommende Generationen.
Energie Freiamt. Ein Leben lang.
Der Lauf der Zeit
Dem Freiamt geht ein Licht auf
Als sich Metzgermeister und Grossrat Jean Villiger Anfang des 20. Jahrhunderts die Wasserrechte am Aspiweiher oberhalb von Muri sichert, glauben noch längst nicht alle an die Zukunft der Elektrizität. Doch Villiger hat ein Gespür für neue Möglichkeiten. 1904 beginnt er auf eigene Faust mit der Stromproduktion und wird damit zum Energiepionier im Freiamt.
Was zunächst einige wenige Glühbirnen zum Leuchten bringt, verändert schon bald eine ganze Region. Die Nachfrage wächst schneller als erwartet. Bereits 1908 wird Muri an das Laufwasserkraftwerk Beznau angeschlossen, die Spannung steigt von 3000 auf 8000 Volt. Damit wird das Freiamt Teil einer neuen Energiewelt.
Strom wird zur öffentlichen Aufgabe
1918 fällt in Muri ein richtungsweisender Entscheid. Die Gemeinde übernimmt das Elektrizitätswerk von Jean Villiger und macht die Stromversorgung zur öffentlichen Aufgabe. Fortschritt wird zur Gemeinschaftsleistung.
Eine Elektrizitätskommission nimmt ihre Arbeit auf, Anlagen werden inventarisiert und Tarife festgelegt. Über 300 Stromzähler ersetzen die bisherigen Pauschalabonnemente – sehr zum Missfallen mancher Grossverbraucher, die ihren Strom plötzlich nicht mehr unbegrenzt und zur «Flatrate» nutzen können. Erstmals wird Energie messbar und gerecht verrechnet.
Josef Leuthard hält das Netz am Laufen
Wenn irgendwo eine Leitung gebaut, eine Störung behoben oder eine Lampe angeschlossen werden muss, ist Josef Leuthard zur Stelle. Der Elektromonteur arbeitet bereits für Jean Villiger und wird nach der Übernahme durch die Gemeinde zur Schlüsselfigur des jungen Elektrizitätswerks.
Mit einem Monatslohn von 200 Franken, einer Zulage, einer Gratiswohnung und freier Beleuchtung gehört er zu den angesehenen Fachkräften seiner Zeit. Das hat seinen Grund: Leuthard ist Monteur, Organisator, Problemlöser und Berater zugleich.
50 Rappen Stundenlohn
1919 schreibt das Elektrizitätswerk Muri ein weiteres kleines Stück Geschichte: Es stellt seinen ersten Lernenden ein und beginnt damit, inhouse Kompetenz aufzubauen. Der Lehrlingslohn beträgt 50 Rappen pro Stunde. Das ist schon damals nicht viel Geld, aber die Ausbildung ist der Eintritt in eine besonders zukunftsträchtige Branche.
Der junge Mann lernt alles, was es braucht, um das wachsende Stromnetz am Laufen zu halten: Leitungen ziehen, Störungen beheben, Schalter montieren und manchmal wohl auch improvisieren. Denn Elektrizität ist zu jener Zeit noch Neuland. Vieles entsteht direkt vor Ort, mit handwerklichem Geschick und gesundem Menschenverstand.
350 000 Franken für die Zukunft
Manchmal braucht Fortschritt vor allem eines: Mut. Das beweist die Gemeinde Muri 1949 eindrücklich. Sie investiert rund 350 000 Franken in die Umstellung der Netzspannung von 145/250 auf 220/380 Volt – eine Summe, mit der man damals locker ein kleines Quartier hätte bauen können.
Die Diskussionen darüber dauern fast zwei Jahrzehnte. Zu teuer, zu aufwendig, zu riskant, sagen die einen. Doch am Ende setzt sich die Erkenntnis durch: Wer wachsen will, muss investieren. Die Entscheidung erweist sich als goldrichtig. Neue Haushaltsgeräte, Maschinen und Gewerbebetriebe verlangen nach einer modernen Infrastruktur. Die grosse Investition schafft die Grundlage für eine zuverlässige Stromversorgung.
Ein Fiat bringt Bewegung ins Freiamt
Bis Anfang der 1960er-Jahre sind die Mitarbeitenden des Elektrizitätswerks oft zu Fuss oder mit dem Velo unterwegs. Dann kommt 1961 der grosse Auftritt: Das Unternehmen kauft seinen ersten Fiat-Transporter.
Plötzlich wird vieles einfacher. Werkzeug, Material und Ersatzteile reisen mit, und Störungen können schneller behoben werden. Das Elektrizitätswerk wird mobil – und ist damit noch näher bei seinen Kundinnen und Kunden.
Aus dem EW wird ein Unternehmen
1969 bezieht das Elektrizitätswerk sein neues Gebäude an der Seetalstrasse. Werkstatt, Lager und Verwaltung befinden sich nun erstmals unter einem Dach. Der neue Verkaufsladen im 1970er-Jahre-Stil wird für viele Murianerinnen und Murianer zum Schaufenster der modernen Welt.
Hier gibt es Lampen, Herde, Haushaltsgeräte – kurz: alles, was einen Stecker hat. Und weil nicht jeder weiss, wie die neue Technik funktioniert, erklären die Mitarbeitenden geduldig, wie man mit elektrischen Geräten umgeht. Das war schon immer so: Bereits 1929 organisierte das Werk Kurse für den Umgang mit elektrischen Singer-Nähmaschinen.
Muri denkt Energie schon früh im Kreislauf
Lange bevor Begriffe wie Energiewende, Nachhaltigkeit oder Kreislaufwirtschaft zum Alltag gehören, probiert man in Muri Neues aus. Gemeinsam mit der Abwasserreinigungsanlage wird die anfallende Abwärme für die Fernwärmeversorgung genutzt – für die damalige Zeit eine fast revolutionäre Idee.
Zu den treibenden Kräften gehört Bruno Bühlmann, der das Elektrizitätswerk ab 1988 führt. Er erkennt früh, dass Energie mehr ist als Strom aus der Steckdose. Sie kann vernetzt, mehrfach genutzt und intelligent eingesetzt werden. Was heute selbstverständlich erscheint, ist damals echte Pionierarbeit. Das Elektrizitätswerk entwickelt sich Schritt für Schritt zum umfassenden Energieversorger.
Lokal verankert – regional vernetzt
Anfang der 1990er-Jahre wird klar: Die Energiezukunft macht nicht an Gemeindegrenzen Halt. 1992 übernimmt das Elektrizitätswerk Muri die Elektra Buttwil-Weissenbach mit ihren rund 370 Kundinnen und Kunden. Vier Jahre später folgen die Versorgungsgebiete in Dietwil, bei Sins und dem Horben.
Mitten in diesem Wandel steht Sepp Etterlin. Als Gemeinderat und Mitglied der EW-Kommission gestaltet er den Wandel vom Gemeindebetrieb zur modernen Unternehmung mit. 1996 fällt der grosse Entscheid: Aus dem Elektrizitätswerk Muri wird die Energie Freiamt AG. Ab 1999 führt Ewald Businger die neue Gesellschaft mit ruhiger Hand in eine Zeit des Wachstums und der Professionalisierung.
Die Sonne verändert die Spielregeln
Lange Zeit ist klar, in welche Richtung der Strom fliesst: vom Kraftwerk in die Steckdose. Doch plötzlich wird alles komplizierter und spannender. Die Dächer im Freiamt werden selbst zu kleinen Kraftwerken.
Unter Geschäftsführer Christian Strebel beginnt eine neue Ära. Gemeinsam mit Raphael Studer und seinem Team entstehen Energielösungen. Die Energie Freiamt begleitet ihre Kundinnen und Kunden nicht mehr nur beim Strombezug, sondern auch bei der eigenen Stromproduktion.
Die Energiekrise von 2022 wirkt dabei als Beschleuniger. Immer mehr Menschen setzen auf Solarstrom. Aus rund 280 Photovoltaikanlagen werden innert weniger Jahre über 600. Gleichzeitig halten Smart Meter und digitale Steuerungssysteme Einzug in alle Haushalte des Versorgungsgebiets.
Und die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende
Seit Jean Villiger vor über 120 Jahren die ersten Glühbirnen im Freiamt zum Leuchten brachte, hat sich die Technik fundamental verändert. Die Herausforderungen sind grösser geworden. Aus einigen wenigen Leitungen ist ein intelligentes, digitales und vernetztes Energiesystem entstanden. Doch eines ist geblieben: Hinter jeder Innovation stehen Menschen, die Verantwortung übernehmen und die Zukunft gestalten wollen.
Die Geschichte der Energie Freiamt ist deshalb mehr als eine Geschichte über Strom. Sie erzählt von Pioniergeist, von mutigen Entscheidungen und von einer Region, die seit Generationen zusammenhält. Und genau darum feiern wir nicht nur 30 Jahre Energie Freiamt AG, sondern über 120 Jahre Energie für das Freiamt.
Zeiten ändern sich. Wir bleiben. Ein Leben lang.
So geht Geschichte – Energie im Freiamt
Ab ca. 1890 – Beginn
Noch wird in der Küche – wie hier bei Berty Laubacher 1896 – mit Holz gekocht und keiner der Haushalte in Muri wird mit Strom versorgt, aber die Elektrizität hält langsam Einzug in die Schweiz. Erste lokale Werke entstehen. Strom bringt vor allem Licht – und grosse Erwartungen. Foto: Archiv Stenz / © Murikultur
1900-1930 – Aufbruch
Die Technik entwickelt sich rasant. Elektrizität wird Teil des Alltags. Auch in Muri entsteht 1904 ein erstes Netz. Bild: Das Laufwasserkraftwerk Beznau nimmt 1902 seinen Betrieb auf. Foto: AEW
1930-1970 – Wachstum
Netze werden verbunden. Infrastruktur wird ausgebaut. Strom wird zur Grundlage von Wirtschaft und Gesellschaft. Bild: Blick in die Werkstatt von Grolimund in Muri 1947. Foto: Archiv Stenz / © Murikultur
1970-2000 – Stabilität
Versorgung wird professionell organisiert. Netze werden sicherer, leistungsfähiger – und zunehmend unterirdisch. 1996 wird aus dem EW Muri die Energie Freiamt AG. Das Bild zeigt den Umzug des EWM ins neue Werksgebäude an der Seetalstrasse in Muri 1969. Foto: Energie Freiamt
Ab 2000 – Wandel
Erneuerbare Energien gewinnen an Bedeutung. Netze werden digital. Neue Anwendungen entstehen. Die Energie Freiamt baut ihre Netzinfrastruktur (im Bild: Verlegen eines Stromkabels) laufend aus. Foto: Energie Freiamt
Heute – Vernetzung
Produktion wird dezentral, Systeme werden komplexer, die Anforderungen steigen. Die Energie Freiamt bleibt die verlässliche Partnerin in der Region – auch für Solarenergie. Sie betreibt sechs eigene Photovoltaikanlagen, die Strom für rund 50 Haushalte produzieren. Foto: Energie Freiamt